Damian Brot

«Suchet der Stadt Bestes» (Jeremia 29,7)

Pfr. Damian Brot<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>evang-kreuzlingen.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>296</div><div class='bid' style='display:none;'>3800</div><div class='usr' style='display:none;'>138</div>

Wären wir im Mittelalter, dann würden wir jetzt alle in die Kirche gehen. Wir würden Schutz suchen in den Gottesdiensten und in den von Priestern gespendeten Sakramenten. Die Ärzte wüssten kaum, woher das Coronavirus kommt und würden uns keinen hilfreichen Rat geben, wie wir uns schützen könnten. Die Schwerkranken hätten fast keine Chance zum Überleben.
Damian Brot,
Da bliebe uns einzig die Möglichkeit, auf eine übernatürliche Hilfe zu hoffen und für uns mit dem Empfang der kirchlichen Sakramente wenigstens den Eintritt in den Himmel nach dem Tod sicherzustellen. Während der Pest im 14. Jahrhundert waren die Theologen die Chef-Interpreten, schreibt der Historiker Volker Reinhardt in der Neuen Zürcher Zeitung (siehe Link unten).

Keine religiöse Sonderwelt

Heute können wir auf die Hilfe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zählen. Wir können darauf vertrauen, dass der Bundesrat auf der Grundlage von solider wissenschaftlicher und medizinischer Erkenntnis die richtigen Massnahmen ergriffen hat, uns so gut und sicher als möglich durch diese schwierige Zeit zu bringen. Die meisten von uns halten sich gerne und mit Überzeugung an die Weisungen der Regierung. Auch ohne Bussandrohung würden wir wenn immer möglich zu Hause bleiben und uns nicht in Gruppen versammeln. Wir wissen, dass damit wir alle und in einer solidarischen Gesellschaft vor allem die Schwächsten geschützt werden.

Den Verantwortlichen in der Kirche ist bewusst, dass es auch in religiösen Veranstaltungen eine nicht zu unterschätzende Ansteckungsgefahr gibt. Selbst im katholischen Verständnis ist klar, dass die vom Priester gewandelten Gaben von Brot und Wein in der Eucharistiefeier in ihrer chemischen Zusammensetzung gleichbleiben. Als gläubige Christinnen und Christen leben wir nicht in einer Sonderwelt. Wir sind den gleichen Gefahren ausgesetzt wie alle anderen Menschen, und mit Gebeten und religiösen Ritualen können wir die Gesetzte und Abläufe in der Natur nicht mit übernatürlicher Macht aushebeln. Darum ist es richtig, dass viele Kirchgemeinden schon vor den Anordnungen des Bundesrats Veranstaltungen abgesagt haben. Damit leisten sie ihren Beitrag im Kampf gegen eine weitere und zunehmend unkontrollierbar gewordene Ausbreitung des Coronavirus.

Allgemeines Priestertum der Gläubigen

Um Gott nahe zu sein, brauchen wir keinen Sonntagsgottesdienst. Das meiste, was zum kirchlichen Standartprogramm gehört, ist gut und hilfreich, aber nicht heilsnotwendig. Gemäss biblischem und evangelischen Verständnis hat jeder Gläubige einen direkten Kontakt zu Gott. Gott ist mir auch zu Hause nahe, selbst dann, wenn ich ganz alleine bin. Ich kann mit Gott auch ohne Unterstützung eines kirchlichen Amtsträgers oder einer ordinierten Pfarrerin Kontakt aufnehmen. Vielleicht bringt gerade diese für uns alle schwierige Zeit die Chance mit sich, zu einer persönlicheren und eigenverantwortlicheren Spiritualität zu finden. Wir können die uns gegebene zusätzliche Zeit zu Hause auch nutzen für ein neues Lesen der Bibel oder von Büchern mit biblischen Themen. Wir können vermehrt im Gebet mit Gott ins Gespräch kommen, wenn unser Kontakt mit unseren Mitmenschen auf ein Minimum reduziert werden muss.

Suchet der Stadt Bestes, und betet für sie zum HERRN; denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's auch euch wohl. (Jeremia 29,7)

Auch die Menschen, die jetzt in den Spitälern, Läden und an anderen Orten für uns unter schwierigen und mit hohen Risiken für ihre eigene Gesundheit verbundenen Bedingungen für uns arbeiten, können unsere Unterstützung im Gebet gebrauchen. Wenn Sie zu Hause bleiben müssen und nach einer neuen Beschäftigung suchen, dann vergessen Sie das Gebet nicht. Wer dem Gebet viel Raum gibt in seinem Alltag, ist nie arbeitslos.

Damian Brot, Pfarrer

» NZZ-Artikel von Prof. Volker Reinhardt

In der Zeit, in der keine kirchlichen Veranstaltungen durchgeführt werden dürfen, werden wir für jeden Sonntag und auch während der Woche Beiträge auf unsere Homepage stellen. Wir laden Sie ein, unsere Homepage regelmässig zu besuchen.

» Das dargebotene Ohr Ihrer Kirchgemeinde

» Kerzen als Zeichen der Hoffnung

» Einer trage des anderen Last

» Informationen der Evangelischen Landeskirche des Kantons Thurgau
Bereitgestellt: 21.03.2020      
aktualisiert mit kirchenweb.ch