Gunnar Brendler

Wort zum Sonntag – 10. Mai 2020

Jerusalem-Background<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>evang-kreuzlingen.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>159</div><div class='bid' style='display:none;'>3582</div><div class='usr' style='display:none;'>57</div>

Monatsspruch Mai
«Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes,
jede und jeder mit der Gabe, die er oder sie empfangen hat!»
(1.Petr 4,10)
Gunnar Brendler,
Liebe Gemeinde,

einander dienen und nicht das Seine suchen – das ist eine alternative andere soziale Ausrichtung. Für gewöhnlich suchen wir eher das Unsrige. Ob im Geschäft, in der Politik, im sozialen Umfeld, es gibt diese menschliche Angewohnheit, nach dem eigenen Vorteil zu schauen. Selber eben gut dastehen zu wollen.
Als Gemeinde, die auf dem Evangelium von Jesus Christus basiert, ist es aber – so lesen wir - unsere Aufgabe, einander zu dienen! Das ist schon was Besonderes, was auch quer zu unserem gewohnten Verhalten steht. Man sollte das nicht leichtfertig überlesen!
Dieses Einander-dienen sollen wir dann aber auch noch ‘als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes’. Und das mit den Gaben, mit den Gnadengaben, die wir von ihm empfangen haben.
Das sagt ganz viel, bringt Dinge miteinander in Verbindung, bei denen wir hellhörig sein sollten. Das Einander-dienen und das Ausleben unserer Gaben.
In unserer Gemeinde kann also die Gnade Gottes am Wirken sein, wen wir das Einander-dienen und den Einsatz unserer Gaben zusammendenken. Dazu kommt noch, dass diese Gnade vielfältig ist. Entsprechend sind die Gaben von uns auch sehr vielfältig.

Nun gibt es allerdings in unserer Gesellschaft auch noch eine zweite Angewohnheit: Man scheint faktisch genau zu wissen, wie Menschen in geschäftlichen Vollzügen zu funktionieren haben, damit das Unternehmen gut läuft. In diesem Denken ist dann kein Platz für das Vielfältige, das Individuelle, das Kreative, für so was wie Gnadengaben von einzelnen. Da müssen Menschen wie die Rädchen in einem Schweizer Uhrwerk funktionieren, sonst sich die technischen Abläufe im Unternehmen gestört und das gewünschte Resultat an Effektivität kommt nicht heraus.

Also stehen wir als Gemeinde, in der die vielfältigen Gaben von uns im Mittelpunkt stehen sollen, schon wieder gegen den Trend unserer technisierten und evidenten Gesellschaft.
Wo kämen wir denn hin, wenn jeder das machen würde, was er oder sie besonders gut kann und einfach nicht das, was von ihm oder ihr erwartet wird? Wenn jede und jeder in der Gemeinde seine Gaben, die ja noch so vielfältig sind, einsetzen würde, ja das würde doch Chaos bedeutet. Gemeinde muss doch heute nach modernen gemeindeunternehmerischen Kriterien funktionieren. Also so professionell in allen möglichen Abläufen durchdacht, wie es uns moderne Managementmodelle lehren.

Alles sicherlich richtige Anfragen. Aber wo bleibt bei all diesem Denken das Einander-dienen mit unseren vielfältigen Gnadengaben Gottes? Jede und jeder nun mal mit der Gabe, die er oder sie empfangen hat?

Der Gnade Gottes freien Lauf lassen, macht Angst. Es wird dann nicht mehr kontrollierbar. Und all das, was wir nicht kontrollieren können, macht uns Angst. Wo kämen wir denn dann hin, wenn das jede und jeder machen würde?

Kurt Marti bringt das auf den Punkt
Wo chiemte mer hi
wenn alli seite
wo chiemte mer hi
und niemer giengti
fur einisch z'luege
wohi dass me chiem
we me gieng.


(Wo kämen wir hin,
wenn alle sagten,
wo kämen wir hin,
und niemand ginge,
um einmal zu schauen,
wohin man käme,
wenn man ginge.)


Vielleich kämen wir wieder mehr in die Nähe der Gnade Gottes, deren Verwalter wir ja sein sollen? Für das einfach mal ausprobieren, wo wir denn hinkommen, wenn wir auf unsere Gnadengaben von Gott setzen, braucht es eines nämlich eines ganz besonders: Vertrauen. Vertrauen darauf, dass das gut kommen wird.

Wenn wir wirklich umsetzen, einander zu dienen, und das mit den Gaben, die wir von Gott nun mal bekommen haben, dann ist das eine Rückversicherung, dass niemand seine Gaben einsetzt, um selber Gross sein zu wollen und andere in seinen Schatten zu stellen. Es geht bei dem Einsatz meiner Gaben zuerst um das Dienen. Und ich vertraue darauf: Wenn wir als Gemeinde das so machen, nämlich 1. ‘Einander dienen wollen’ und 2. unsere vielfältigen Gaben dann diesem Ziel des einander Dienens unterstellen, dann heisst das geistliches Wachstum – zum Wohle aller. Der ganzen Gemeinde.

Ich wäre dabei. Ich will meine Gaben dafür einsetzen, um anderen damit zu dienen!

Amen.
Bereitgestellt: 09.05.2020     Besuche: 106 Monat 
aktualisiert mit kirchenweb.ch