Damian Brot

Geglückte Wiedereröffnung des Open Place

Wiederer&ouml;ffnung Open Place <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Stefan&nbsp;B&ouml;ker)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>evang-kreuzlingen.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>603</div><div class='bid' style='display:none;'>3890</div><div class='usr' style='display:none;'>138</div>

Strahlende Gesichter beim Kickoff: Nach acht Wochen Pause hat der Open Place bei der Kirche Kurzrickenbach wieder geöffnet. Auch Lebensmittel abholen bei der verwertBAR ist wieder möglich.
Stefan Böker,
Irgendwie ist alles anders. Aber eigentlich doch wie immer. Im Open Place bei der Kirche Kurzrickenbach haben Pfarrer Damian Brot und sein Team den Betrieb wieder aufgenommen. Auf dem Kies im Innenhof laden bunte Caféhaustische zum Verweilen ein, Sonnenschirme spenden Schatten und die Gäste strahlen mit der Sonne um die Wette. Die Tische werden neuerdings bedient und Formulare sind bereit, in welche die Gäste ihre Kontaktdaten eintragen können – das entspricht den Sicherheitsvorschriften gegen Corona. Normalerweise ist Selbstbedienung im Haus Weisser, was sonst für ein weniger geregeltes Miteinander sorgte. Momentan dürfen jedoch maximal vier Personen zusammen sitzen. Der fröhlichen Atmosphäre tut das keinen Abbruch: Es herrscht Plauderstimmung, die Gäste haben sich lange nicht mehr gesehen und sind sichtlich erfreut, wieder ihren geschätzten Treffpunkt nutzen zu dürfen.

Serpil El'Outah <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Stefan&nbsp;B&ouml;ker)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>evang-kreuzlingen.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>603</div><div class='bid' style='display:none;'>3889</div><div class='usr' style='display:none;'>138</div>
"Ich habe das Zusammensein und die Gespräche vermisst. Im Open Place findest du immer ein offenes Ohr" – Serpil El'Outah

Gemeinschaft und Austausch
Serpil El'Outah flitzt zwischen den Tischen hin und her, um Kaffee und Getränke zu servieren. Sie ist seit zwei Jahren regelmässig Gast, im Café hilft sie das erste Mal. "Ich wurde von Beginn an akzeptiert und habe hier viele Menschen kennengelernt", sagt sie. "Die Gemeinschaft ist etwas ganz besonderes."

Nazmije Dauti <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Stefan&nbsp;B&ouml;ker)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>evang-kreuzlingen.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>603</div><div class='bid' style='display:none;'>3885</div><div class='usr' style='display:none;'>138</div>
"Die Gäste im Open Place sind wie eine grosse Familie. Wir unterstützen uns gegenseitig und sind füreinander da" – Nazmije Dauti mit Töchterchen Melina

Nazmije Dauti ist mit Töchterchen Melina gekommen. Sie findet es toll, so viele verschiedene Menschen zu treffen. "Vom Baby bis zum Opa sind alle Altersschichten vertreten. Und viele Nationalitäten. Selbst wenn jemand kein Schweizerdeutsch kann, finden wir immer einen Weg, uns zu verstehen." Es sei etwas ganz Besonderes, wie sich die Menschen hier umeinander kümmern. "Als ich schwanger war, machte ich eine schwere Zeit durch und bin länger nicht hier gewesen", erzählt die junge Mutter. "Prompt hat man nachgefragt, wie es mir geht und ob ich Hilfe brauche. Das hat mich aufgebaut."

Rolf Leutenegger <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Stefan&nbsp;B&ouml;ker)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>evang-kreuzlingen.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>603</div><div class='bid' style='display:none;'>3888</div><div class='usr' style='display:none;'>138</div>
"Hier wird jeder so akzeptiert, wie er ist, keiner muss sich verstecken. Mir hat das sehr geholfen in schweren Zeiten." – Rolf Leutenegger

Auch während des Corona-Lockdowns ist das Open Place nicht stillgestanden. Mit Telefon, Internet und Videokonferenzen hielt das Team den Kontakt aufrecht. "Das fand ich super und es hat mir sehr geholfen", gesteht Rolf Leutenegger. Als trockener Alkoholiker sei es eine schwere Zeit für ihn gewesen. "Allein hätte ich das nicht geschafft." Auch er hilft heute im Service mit.

Pina Weber <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Stefan&nbsp;B&ouml;ker)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>evang-kreuzlingen.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>603</div><div class='bid' style='display:none;'>3886</div><div class='usr' style='display:none;'>138</div>
"Der Besuch im Open Place ist eine feste Institution in meinem Leben. Hier kommen so viele unterschiedliche Menschen zusammen und alle sind willkommen" – Pina Weber

Plötzlich wird es lauter: Pina Weber und ihr Hund Frodo sind mit grossem Hallo angekommen. Frodo ist so etwas wie das Maskottchen im Open Place und kriegt sofort ein Leckerli. "Ich komme seit fünf Jahren hier her und freue mich mega, dass es nun wieder los geht", sagt sein Frauchen. "Der Open Place ist eine feste Institution in meinem wöchentlichen Alltag." Auch Brigitte Soller ist schon lange Gast. Im Haus Weisser hängt eine Fotografie der quirligen Seniorin. "Die Menschen hier sind für mich wie eine Familie", sagt sie fröhlich. "Am liebsten würde ich alle umarmen."

Brigitte Soller <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Stefan&nbsp;B&ouml;ker)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>evang-kreuzlingen.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>603</div><div class='bid' style='display:none;'>3884</div><div class='usr' style='display:none;'>138</div>
"Ein Besuch im Open Place tut der Seele gut" - Brigitte Soller

Damit niemand durchs Raster fäll
Pfarrer Damian Brot und die Teammitglieder Ron Neely und Silvia Napo freuen sich über das Feedback. "Das motiviert uns sehr", sagt Pfarrer Brot. Für das Team bedeuten die Kontakte indes nicht nur eitel Sonnenschein: Ihr Einsatz kommt dem von Sozialarbeitern oder Streetworkern gleich. Darum finden auch Weiterbildungen statt, um beispielsweise den Umgang mit Aggression, Trauer oder Sucht zu lernen. "Wir haben einige Male helfen können während des Lockdowns, sei es, weil es darum ging, einen Spitalbesuch aufzugleisen oder einen Hundesitter zu finden", erzählt Neely. "Die persönlichen Probleme traten in dieser Zeit stärker zutage." Das Team sei froh, die Gäste wieder direkt vor Ort treffen und sich untereinander persönlich absprechen zu können. Obwohl Geschäftsleiterin Napo dem Lockdown auch Positives abgewinnen kann: "Wir haben eine Telefonliste aufgebaut", erzählt sie. "Die können wir auch in Zukunft nutzen."

Ein Grossteil der Gäste sind gleichzeitig Bezüger bei der verwertBAR. Der gleichnamige Verein rettet Lebensmittel vor dem Kübel und verteilt sie zwei Mal wöchentlich in der Sakristei an Bedürftige. Wochenlang haben die Vereinsmitglieder ihre Tätigkeit als Lieferservice weitergeführt. Auch Silvia Napo ist Touren gefahren. "Wir konnten dabei vom Netzwerk profitieren und gleichzeitig schauen, ob es allen gut geht", sagt sie. An diesem Dienstag darf auch die verwertBar erstmals wieder Lebensmittel vor Ort verteilen. Mit Absperrband wurde ein entsprechender Bereich unter der Pergola markiert, so dass die Bezüger Schlange stehen und den Sicherheitsabstand wahren können. Renata Gariani ist eine von ihnen. Für die ältere Dame ist der Ausflug zur verwertBar auch wegen dem geselligen Aspekt wertvoll. Vereinspräsident Marcel Deucher reicht ihr eine Einkaufstüte über den Tresen, dann setzt sie sich an einen Tisch. "Das Café und die Lebensmittelrettung sind einfach zwei geniale Ideen", findet sie.

Im Hof haben auch Janet Brot und zwei Frauen aus ihrem Englischkurs Platz genommen, die zum ersten Mal gekommen sind. Beide beobachten das Treiben neugierig. Marina Baumann ist angetan von der freundlichen Atmosphäre auf dem Kirchhof. Zu Besuch ist ihre Cousine Yolanda Bermudez aus Bogota. Sie verlängerte ihren Aufenthalt in Kreuzlingen wegen der Reisebeschränkungen. "Eine gute Gelegenheit, mein Deutsch zu verbessern", sagt sie und schaut sich um. "Ich hätte nicht gedacht, dass es hier bedürftige Menschen gibt."

Remo Kruger und Valentin Mariano <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Stefan&nbsp;B&ouml;ker)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>evang-kreuzlingen.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>603</div><div class='bid' style='display:none;'>3887</div><div class='usr' style='display:none;'>138</div>
"Der Open Place ist ein wichtiger Treffpunkt. Hierher zu kommen ist für die Menschen ein richtiger Aufsteller" – Remo Kruger und Valentin Mariano


Das Open Place wird seit über fünf Jahren als Ergänzung zu kirchlichen Aktivitäten geführt. Träger ist die Evangelische Kirchgemeinde Kreuzlingen. Ein Team aus Ehrenamtlichen betreibt grossen Aufwand, um Menschen in schwierigen und belastenden Lebenssituationen ein Gefühl der Beheimatung zu geben. Die Gäste haben oftmals psychische Probleme, leiden unter den Folgen von Alkohol- oder Drogenmissbrauch oder sind einfach einsam. Die Teammitglieder besuchen Weiterbildungen, um diese soziale Arbeit meistern zu können. Im vergangenen Jahr hatte das Café an 156 Tagen geöffnet. Nicht nur Kaffee und Kuchen wird hier serviert. Zum Angebot gehört auch eine Kleiderbörse, verschiedene Kurse ("Zämä kreativ sein") und Veranstaltungen wie der Café-Treff Philosophie und Märchen für Erwachsene. Sobald die Weisungen des Bundesrats dies zulassen, können auch die Veranstaltungen im Open Place wieder stattfinden. 2019 wurde der Open Place mit dem Zwinglipreis des Schweizerischen Protestantischen Volksbunds ausgezeichnet.


» Infoseite Open Place

» Wiedereröffnung Open Place
Bereitgestellt: 21.05.2020      
aktualisiert mit kirchenweb.ch