Irena Widmann

Das Ende der Frage der Fragen

Himmelsleiter<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>evang-kreuzlingen.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>582</div><div class='bid' style='display:none;'>3894</div><div class='usr' style='display:none;'>376</div>

Himmelsleiter

Christus spricht: ”Wenn ich erhöht werde von der Erde, so werde ich alle zu mir ziehen."

Johannes 12,32
Irena Widmann,
Erhöhte Dinge ziehen an: fliegende Kraniche, verschneite Berge, der mit Sternen verzierte Nachthimmel... Oft halten wir inne – Augen nach oben – vor solchen Wundern. Sie machen uns still und bescheiden. Vielleicht, weil sie dazu neigen, die Frage nach Gott in uns zu wecken?

Jesus wurde drei Mal erhöht: zum ersten Mal – von Menschen, am Kreuz; zum zweiten Mal – von Gott dem Vater, bei der Auferstehung; zum dritten Mal – durch die immense Anziehungskraft zwischen den beiden, an Auffahrt. Darum: spätestens nachdem die Jüngerinnen und Jünger Jesu Füsse hoch gen Himmel verschwinden sahen, mussten sie diese Kraft auch selber verspüren. Denn hat Jesus nicht gesagt, er wird alle zu sich ziehen?

Das Wort, das Johannes hier benutzt, hat nichts mit Gravitation oder physischer Attraktivität zu tun, noch weniger mit Reiz oder Verlockung. Es ist auch alles andere als Beanspruchung. Nein!
Was ziehen hier heisst,
ist eine sanfte, tief-gehende Anziehung –
das Angebot der Zeit und Raum
durchbrechenden und bleibenden Beziehung.

Eine Beziehung zwischen Gott und Mensch – wie soll das gehen? Spätestens als die Jüngerinnen und Jünger alleine da standen, verblüfft und verstummt, mussten sie sich dieser Frage stellen. Und das tun sie immer noch. Ausserdem, die ganze Welt scheint dabei mitzumachen. Denn hat Jesus nicht gesagt, alle?

An dieses alle habe ich mich vor kurzem erinnert als ich im Rahmen unserer Israel-Gemeindereise vor dem Kreuzes-Ort in der Grabeskirche stand. Mit mir in der Schlange waren Menschen aus verschiedenen Nationen dabei, wenn auch viel weniger als sonst – die Schatten der Corona-Zeit gingen uns schon voraus. Da waren Christen und Anhänger anderer Religionen und ja auch solche, die mit dem Glauben wenig an Hut hatten. Was uns aber dort zusammenführte, war die Suche danach. Denn was uns verband, war diese immense Anziehung.
An dem Ort, wo Jesus von Menschen erhöht worden war, ist diese besonders stark. Vielleicht, weil Mensch dort auf Doppelsuche ist – sowohl nach Vergebung als auch Beziehung?

Spätestens nachdem die Jüngerinnen und Jünger den Heiligen Geist an Pfingsten empfangen hatten, sollte ihre Suche befriedigt und die Frage nach Gott beantwortet worden sein – einmal und für alle. Hier ist Er – wir haben Ihn! Jein...

Die Frage bleibt, auch an und für uns. Denn dies ist eine ganz persönliche Frage. Hat sie überhaupt eine Antwort? Auf eine Art – ja. Und diese macht mich heute, wie die Jüngerinnen und Jünger damals, verblüfft und verstummt, wie auch sehr dankbar. Denn,

Am Ende
Der Suche
Und der Frage
Nach Gott
Steht
Keine Antwort
Sondern eine » Umarmung.

(Dorothee Sölle)

Ich wünsche Ihnen in der bevorstehenden Pfingstzeit, richtig vom Heiligen Geist umarmt zu werden!

Irena Widmann, Pfrn.

Texte von Irena Widmann für die Sonn- und Feiertage zuvor

» Vom Bleiben und der Kunst der kleinen Schritte - 3.05.2020

» Vollbracht ist nicht das Ende - 10.04.2020

Bereitgestellt: 24.05.2020     Besuche: 21 Monat 
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