Stefan Hochstrasser

Wagners Glockenklänge in Kreuzlingen

2024-08 Glocke Leitartikel (Foto: Angela Hochstrasser)

Ein ganzes Jahr lang feiern wir 300 Jahre Stadtkirche Kreuzlingen. Anlass genug, Ihnen verschiedene Facetten des Baus zu beleuchten. Hier der Beitrag zu unseren Glocken.
Stefan Hochstrasser,
Unsere Glockenklänge gehen tatsächlich auf den bekannten deutschen Komponisten Richard Wagner zurück. Und auf unseren fünf Glocken ist jeweils ein Bibelvers eingraviert – zum Beispiel der Engelchor an Weihnachten. .

Bereits die Kirche von 1724 besass ein Geläut aus drei Glocken, die von Johannes Füssli aus Zürich gegossen wurden. Die kleinste im damaligen Zwiebelhelm war von Kurzrickenbach gespendet worden.

Mit der Erstellung des neuen Turms 1898 musste auch das Geläut vergrössert werden. Die alten Glocken wurden dazu vermutlich eingeschmolzen, schliesslich war das Rohmaterial teuer. In der Glockengiesserei Rüetschi in Aarau, die bis heute unser Geläut und das mechanische Uhrwerk wartet, entstand das fünfstimmige Geläut mit den Tönen c-es-f-as-c.

Diese Tonfolge wird als „Parsifalmotiv“ bezeichnet und geht zurück auf die letzte, 1882 uraufgeführte Monumentaloper „Parsifal“ des bekannten deutschen Komponisten Richard Wagner. Denn in dieser Oper mit vielen religiösen Elementen lässt Wagner mehrmals Glockenklänge in dieser Tonfolge erklingen, die mit ihren tiefen Tönen eine hohe dramatische Wirkung entfalten. Für die Umsetzung in der Oper liess Wagner eigens ein sogenanntes „Gralsglockenklavier“ entwickeln. Das Glockenmotiv wurde in der Folge zu einer beliebten Glockenstimmung, deren Harmonie vom menschlichen Ohr als angenehm empfunden wird.

Bibelvers auf den Glocken

Auf jeder unserer fünf Glocken ist ein Bibelvers eingraviert. Einer davon steht im Lukasevangelium. Der Engelchor singt an Weihnachten: «Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.» (Lk. 2,14)

"Ehre sei Gott in der Höhe…": Die Glocke erinnert uns daran, dass wir den Tag mit einem Gebet starten sollen. Es könnte ein Dankgebet sein, um bewusster den neuen Tag zu beginnen.

"… und Frieden auf Erden…": Das steht in der Mitte des Verses. Ich wünsche Ihnen, dass der Friede ein fixer Standpunkt in ihrem Leben ist.

"… und den Menschen ein Wohlgefallen": Das Ende dieses Verses könnte ein Teil eines Segensgebet sein, welches die innere Freude zum Strahlen bringt.

Glockenklänge sind für mich mehr als störender Lärm. Es ist die Erinnerung zum Gebet, sogar wenn mir die Worte fehlen. Ich wünsche Ihnen bewusste Zeiten im Gebet.

Annina De Carli und Immanuel Knaus
Bereitgestellt: 27.06.2024      
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