Kirchenraum im Wandel
Ein ganzes Jahr lang feiern wir 300 Jahre Stadtkirche Kreuzlingen. Anlass genug, Ihnen verschiedene Facetten des Baus zu beleuchten. Hier der zweite Beitrag zu unseren Glocken.
Stefan Hochstrasser,
Unsere Stadtkirche startete nach der Erweiterung 1898/99 farbig ausgemalt ins neue Jahrhundert. Leider haben sich davon keine Fotografien erhalten. Nur Farbreste unter dem heutigen weissen Anstrich zeugen noch von diesen Dekorationsmalereien.
Bereits um 1930 hielt man es für nötig, den Kircheninnenraum neu zu gestalten. Grund dafür war mehr ein neues ästhetisches Empfinden, denn eine bauliche Notwendigkeit. So liest man in den Akten, dass die „zwecklosen Dekorationsmalereien an den Wänden, die ungeschickten Übermalungen und Umrahmungen der Stuckaturen an der Decke sowie die unschönen Rosetten beseitigt werden mussten.“
Dazu schaffte man bequeme Bänke an und erdete mit Hilfe eines Wandtäfers die Kirche optisch und verbesserte damit gleichzeitig die Akustik. Optimal gesellte sich dazu ein dunkelbrauner Korklinoleumboden. Eine neue, grosse Orgel wurde angeschafft und bedingte die Vergrösserung und Neugestaltung der Empore.
Der nun so neu gestaltete Innenraum ist uns anhand einer Fotografie überliefert und zeigt auf, was um 1930 als schön und modern empfunden wurde. Bereits 40 Jahre später war dieses Kunstempfinden bereits wieder überholt, nicht mehr Geschätztes wanderte auf den Estrich und die Umgestaltung des Innenraumes nach den neusten Ideen begann abermals.
Raum lassen für Veränderungen
Renovationen bringen immer Veränderungen mit sich. In der Kirche kann dies besonders bedeutsam sein, wenn die alten Farben überstrichen werden, um Platz für einen helleren Raum zu schaffen. Ein Raum, in dem das Licht ungehindert strahlen kann und der damit eine neue Lebendigkeit erhält.
Es ist ebenso wichtig, freie Räume für die neuen Generationen zu lassen. Die Kirche, die renoviert wurde, die bot nicht nur den aktuellen Gläubigen eine frische Perspektive, sondern hinterlässt auch einen Raum, den die kommenden Generationen gestalten können.
Lebensveränderung ist von zentraler Bedeutung. Genauso wie die Renovierung einer Kirche dazu beiträgt, einen neuen Raum zu schaffen, sollten auch wir als Individuen den Raum für Veränderungen in unserem eigenen Leben schaffen. Dies, indem wir alten Ballast abwerfen und Platz für Neues schaffen. So ermöglichen wir uns selbst, in einem helleren Licht zu erstrahlen.
Veränderungen sind also ein natürlicher Teil des Lebens, und die Möglichkeit, diese in einem Raum zu vollziehen, der bereits mit Geschichte und Tradition durchtränkt ist, verleiht den Veränderungen eine besondere Bedeutung.
Annina De Carli und Diakonin Andrea Bevelaqua