Das Open Place lebt von Menschen, die hier ankommen, weil sie gesehen werden. Das spürte ich im ersten Moment, als mir dieser Ort vorgestellt wurde.
Als Pfarrperson der evangelisch-methodistischen Kirche sind mir Menschen, die am sogenannten Rand der Gesellschaft existieren, ein Herzensanliegen. Viele Fragen bewegen mich: Wie können wir als Kirchgemeinden diese Menschen erreichen, ihnen Gutes tun und etwas Hoffnungsvolles für ihre Tage mit den Nöten und Sorgen mitgeben? Wie gelingt es der Kirche, Menschen in Armut mit Würde zu begegnen?
Die Kirche ist für mich Anwältin der Hoffnung. Und als solche hat sie den Auftrag, Zukunft zu gestalten. Eine Zukunft für alle.
Ich lernte das Open Place kennen, als ich im Zusammenhang meiner Weiterbildungswoche im Bereich fresh expressions of Church bei und mit den Menschen vom Open Place viel Zeit verbringen konnte. Und so erlebte ich, wie die Kirche Kreuzlingen mit dem Open Place diesen Job der Hoffnungsanwältin auf eine bewundernswerte Art und Weise erfüllt.
Im Open Place erleben die Menschen Begegnungen auf Herzenshöhe.
Im Open Place wird Zugehörigkeit gelebt. Das Open Place macht mit jedem der Angebote den Rand zur Mitte. Aber nicht ausschliesslich, wenn es um das «Nötigste» geht. Das Atelier im Open Place bietet einen besonders geschützten Rahmen. Wenn Menschen keine Worte finden, können sie hier mit Farbe und Pinsel dem Unaussprechbaren einen Ausdruck geben. Der kleine, liebevoll eingerichtete Raum ist Ort der Inspiration. Begleitet und angeleitet entstehen hier regelrechte Bild-Geschichten. In diesem Atelier durfte ich mit Gästen des Open Place besonders schöne Erfahrungen machen. Es war der Austausch mit den unterschiedlichsten Menschen, das Teilhaben dürfen an ihren Lebens- und Leidensgeschichten, die mich tief berührten.
Feine Beziehungsfäden konnte ich mit Menschen vom Open Place knüpfen. Sie verbinden mich mit ihnen weit über die Weiterbildungswoche hinaus. Und ich freue mich auf jeden Besuch irgendwann im Laufe des Jahres, wenn ich sie wieder treffe und der Austausch fortgesetzt werden kann, als wäre keine Zeit dazwischen vergangen.
Pfrn. Christine Preis, Gelterkinden
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